You Will Do This

You Will Do This

Ziel: Ironman

Am 14. Juli 2013, zwei Jahre nach meinem 1. Triathlon überhaupt, war das große Ziel erreicht: Im Ziel bei der Challenge Roth. Dream Coming True! Zeit: 9h 17min (Patz 68 bei rund 3500 Startern).

Mein erster Triathlon-Sieg, oder der "unmögliche" Moment

WettkämpfePosted by Marko Sun, August 03, 2014 15:39:27

Es war eigentlich immer nur ein Traum. Ein Traum, den viele Amateursportler träumen: Nur einmal als erster über die Ziellinie zu gehen.

Dieser Traum wurde für mich letzten Sonntag, am 27. Juli 2014, Wirklichkeit. Völlig unerwartet konnte ich beim Triathlon in Hofheim die Mitteldistanz gewinnen! Was eigentlich als Vorbereitungsrennen für die eine Woche später stattfindende Mitteldistanz in Erlangen gedacht war, entwickelte sich zum fast schon verzweifelten Kampf, die überraschende Führung bis ins Ziel zu verteidigen.

Der "unmögliche" Moment. Quelle: M. Schweiger, www.mainpost.de

Der Schwimmstart erfolgte um 09:30 Uhr im Ellertshäuser See. Zwei Runden zu je 950 Meter, dazwischen ein kurzer Landgang. Auf Platz 11 liegend kam ich aus dem Wasser, brauchte aber eine gefühlte Ewigkeit, um aus dem Neo zu kommen. Dann aufs Rad, wie immer in minimalistischer 5-Euro Badehose, und Feuer frei für die gewohnte Aufholjagd. Schnell konnte ich einen nach dem anderen einsammeln. Etwa bei Kilometer 30 dann die faustdicke Überraschung: "Ist das tatsächlich das Führungsmotorrad da vorn???" Nach kurzem Zweifeln die Erkenntnis, dass es jetzt eines Strategiewechsels bedurfte: "Vollgas bis aufs Letzte".

Ich zog das Tempo an, ging in Führung, und gab alles, um schnell eine große Lücke zu reißen. Erst viele Kilometer später nach einer scharfen Kurve der Blick nach hinten und die Gewissheit, dass vorerst keiner folgen konnte. Dennoch fortlaufend der Gedanke: "Jeden Moment kommt einer von hinten, und dann war's das." Ich hatte noch nie auch nur für eine Sekunde ein Rennen angeführt, sodass mich dieses ungute Gefühl dauernd antrieb, noch ein bisschen stärker in die Pedale zu treten. Ich wusste, dass ich sicher nicht der stärkste Läufer an diesem Tag bin und meine Radstärke essenziell sein würde, um die Führung so lange wie möglich zu verteidigen. Der Glaube ans Podest: Ja. An den Sieg? Zu diesem Zeitpunkt nie und nimmer.

Dann, etwa 10 Kilometer vor dem Wechsel zum Laufen der ernüchternde Moment, den ich schon lange befürchtete: Ich wurde an einem Anstieg einkassiert. Bis zum Wechsel war eine Lücke von fast 1 Minute entstanden. Jetzt volles Risiko, einen schnellen Wechsel hinlegen, Socken weglassen, und die Lücke zulaufen. Der Plan ging auf, mein Gegner wechselte viel langsamer und ich ging gleich zu Beginn der Laufstrecke wieder in Führung.

Ab jetzt war es mit dem Spaß allerdings vorbei. 30 Grad, Sonne, von Anfang an eine Druckstelle am Fuß und die ständige Angst, erneut einkassiert zu werden. Schon in der ersten von insgesamt vier Runden spürte ich, dass es mit dem Fuß wohl kein gutes Ende nehmen würde. Dazu wegen der Hitze auf jeder Runde 3x Wasser über den Kopf zur Kühlung, was aber bis in die Schuhe lief und die Haut weiter aufweichte. Ich hatte gut geplant und noch zwei Gels dabei, die ich Drittel-weise an den Verpflegungsstellen Stück für Stück aufbrauchte; eine super Taktik, viel besser als ein ganzes Gel auf einmal.

Nach der zweiten Runde erste Gedanken ans Aufgeben, ich hatte mein Limit erreicht. Dann sofort wieder verdrängen, die Ziellinie visualisieren, und das Gefühl vorstellen, es wirklich als Erster zu schaffen. Geglaubt habe ich das auch nach der dritten Runde noch nicht. Plötzlich Schritte von hinten, kurz darauf das Überholmanöver; zum Glück nur der Führende der olympischen oder der Sprint-Distanz, was für eine Erleichterung! Wenig später erneut Schritte, und wieder glaubte ich, das wäre es gewesen. Aber nur der Zweite einer der anderen Distanzen!

Allerdings spürte ich, wie sich Hornhaut am Fuß löste und zusammenrollte, als ich bei jedem Schritt auftrat. Spätestens jetzt hätte ich unter normalen Umständen aufgegeben. Aber wenn du Erster bist, dann läufst du, bis der Fuß abfällt! Ich war körperlich inzwischen völlig am Ende, und nur der Gedanke an die Ziellinie ließ mich meine Pace in etwa aufrechterhalten. Dann sagte mein Radbegleiter einen Kilometer vor dem Ziel: "So, jetzt Schlussspurt!". Ich hatte mich kein einziges Mal umgedreht, und ihn am Anfang des Laufens gebeten, mir nicht zu sagen, ob jemand von hinten aufläuft oder nicht. Was auch immer dieser Kommentar bedeutete, ich gab jetzt nochmal alles, was noch irgendwie an Energie zu mobilisieren war. Tunnelblick. Nichts zählte außer der Ziellinie, es war wie im Rausch. Etwa 200 Meter vor dem Ziel Anfeuerungsrufe, dann die Kurve zur Zielgeraden, die Schmerzen plötzlich weg. Jetzt wusste ich, dass es reichen wird. Noch 100 Meter, Leute klatschten links und rechts, oben der Zielbogen.

Dieser Moment, den du dir in unzähligen Trainingseinheiten gedanklich ausgemalt und dennoch nie für realistisch gehalten hast. Dieser unmögliche Moment, der plötzlich Wirklichkeit wird. Ein Wahnsinns-Gefühl! Und ein Moment, da bin ich mir sicher, den sich jeder Sieger ein Leben lang erinnert.

Endlich ein richtiger Pokal für die ganze Quälerei!

Im Ziel kurz durchschnaufen, Gratulation vom Wettkampfrichter, kurzes Statement ins Mikro. Der Zweit- und Drittplatzierte plötzlich auch schon da. Dann kommen die Schmerzen zurück. Hinsetzen, schnell noch ein Video-Interview. Die Sanitäter kommen vorbei, desinfizieren die Wunde (höllische Schmerzen) und legen mir einen dicken Verband an. Leider gab's keine Schmerztabletten. Ein paar Stunden später die Siegerehrung: Pokal, Preisgeld, Sachpreise, Erinnerungsfotos. Einfach Wahnsinn!

Die Saison ist nun zwar gelaufen, und eine Woche nach dem Wettkampf bin ich immer noch mit Krücken unterwegs. Aber das war es locker wert!

Hier der Link zum Zielinterview (Klick)

Und zu einem Presseartikel (Klick)


In Zukunft dann immer mit Socken laufen ab Mitteldistanz :)

  • Comments(0)

Fill in only if you are not real





The following XHTML tags are allowed: <b>, <br/>, <em>, <i>, <strong>, <u>. CSS styles and Javascript are not permitted.