You Will Do This

You Will Do This

Ziel: Ironman

Am 14. Juli 2013, zwei Jahre nach meinem 1. Triathlon überhaupt, war das große Ziel erreicht: Im Ziel bei der Challenge Roth. Dream Coming True! Zeit: 9h 17min (Patz 68 bei rund 3500 Startern).

Es ist vollbracht – Wettkampfbericht zur Challenge Roth

WettkämpfePosted by Marko Sun, July 21, 2013 12:13:20
Noch nie habe ich mich so gequält wie auf den letzten 15 km in Roth. Aber es hat sich am Ende alles gelohnt! Auch das monatelange Training für den Start in der "Triathlon Traumfabrik", bei der Challenge Roth.

Vorab ein großes Danke an alle, die mir die Daumen gedrückt oder via Live-Stream oder sogar direkt an der Strecke zugeschaut haben!!! Außerdem danke an meine Vorbilder, die schon zuvor einen Ironman gefinisht und damit (unbewusst) die Motivation geliefert haben, es auf der Langstrecke zu versuchen: Alexis Eisenhofer, André Stagge und Scott Redler.

Tausend Dank an Malte Ohlmeier fürs Verleihen von Scheibe und Zipp-Vorderrad!

Die Nacht vor dem Wettkampf konnte ich nur 2-3 Stunden mit Unterbrechungen schlafen, aber das hat gereicht. Aufstehen um 04:00 Uhr, Brötchen mit Honig essen, viel trinken, Ultra Starter für die Fahrt nach Roth und die Trinkflasche mit Iso und Honig fürs Rad anrühren. Dann rein in Badehose und Oberteil und ab ins Auto. Am Start die Reifen auf 8 Bar gepumpt, Energieriegel verdrückt, ab aufs Dixie und dann in den Neo geschlüpft.

Mein Start war um 07:20 Uhr – da waren die ersten Profis schon fertig mit Schwimmen. Habe relativ wenig Wasser geschluckt, aber es war ein ziemliches Gedrängel an den Wendebojen. Einmal Ferse ins Gesicht geschlagen bekommen, aber nur ein kleiner Kratzer. Unangenehm war das Wunderscheuern im Nacken vom Neoprenanzug; da sollte später bei Marathon noch ordentlich Salz und Sonnencreme in die Wunde laufen...

Start der Profis um 06:30 Uhr. Foto: DTU

Raus aus dem Wasser und ab aufs Rad. Jetzt flogen die Fetzen! 7000 Trainings-kilometer seit Januar plus die super Laufräder von Malte machten sich doppelt bezahlt. Auf den 180 km – wie versprochen a la Faris al Sultan in Badehose OHNE Sitzpolster – überholte mich kein einziger Teilnehmer dauerhaft. Das Motto auf dem Rad: Alles an Riegeln und Gels reinstopfen, was geht, und von Anfang an auf Tempo fahren. Das Ergebnis war eine fantastische Radzeit mit einem knapp 38er Schnitt.

Dann der Wechsel zum Laufen. Nebenbei rechnen. Und mein einziger großer Fehler in diesem Wettkampf: Die wahnwitzige Idee, den Marathon in 3:03 zu laufen und Sub-9 zu finishen. Bei Kilometer 10 wurde mir klar, dass es auf keinen Fall reichen würde. Das Problem: Ich war diese Strecke in rund 43 Minuten gelaufen – zu schnell. Ein typischer Anfängerfehler im Marathon, und natürlich erst recht mit der Vorbelastung in einer Langdistanz. Also etwas Tempo raus, möglichst gleichmäßig laufen und hoffen, dass der Einbruch so spät wie möglich kommt, oder bestenfalls gar nicht. Leider blieben mir die Konsequenzen nicht erspart. Ziemlich genau bei Kilometer 27 begann das große Leiden...

Tausende Räder in der Wechselzone, fein säuberlich nach Nummer geordnet.

Die letzten 15 km im Marathon waren die Hölle. Ich bekam Magenkrämpfe und konnte praktisch nichts mehr trinken, und wenn, dann wurden die Krämpfe nur noch schlimmer. Also blieb ich ab Kilometer 30 "trocken". Die Sonne brannte und es war heiß. Damit war klar, dass es körperlich und mental von Schritt zu Schritt bergab gehen würde. Ab und zu ein Schluck Cola in den Mund, damit zumindest etwas Zucker über die Schleimhaut ins Blut kommt, dann spuckte ich das Zeug wieder aus.

Zwei Kollegen auf der Laufstrecke, mit denen ich mich zuvor kurz unterhalten hatte und die in etwa mein Tempo liefen, waren die vorläufige Rettung. Ich hing mich an ihre Fersen. Kopf, Magen und Beine sagten: "Halt an, mach langsamer, lass abreißen!". Aber ich musste dran bleiben, koste es was es wolle. Auf keinen Fall abreißen lassen! Wenn du in dem Zustand eine 10 Meter-Lücke hast, ist der Wille gebrochen und der Zeitverlust bis ins Ziel riesig. Mit jedem Kilometer wurde es schlimmer. Ich hämmerte mir immer wieder den Spruch ein, der mich im Vorfeld so motiviert hatte: "You Can Give Up, And They Won't Care. But YOU Will Always Know!". Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie lang jeder einzelne Kilometer war. Es schien einfach endlos, und die Sonne brannte und brannte. Zwischendurch dachte ich immer wieder, es reicht nicht mehr.

Ein Rennen entscheidet sich in den schwachen Momenten. Hier meine beste Durchhalteparole, vielleicht könnt ihr sie ja auch mal gebrauchen...

Bei Kilometer 39 stand es endgültig auf der Kippe. "Noch 15 Minuten laufen" schien unmöglich. Ich war am Ende. Nur noch Tunnelblick und Dauerbefehl an die Beine, um jeden Preis das Tempo zu halten. Und irgendwie hat es dann doch noch gereicht. Der rote Teppich begann. Links und rechts klatschende Zuschauer, der Moderator sagte meinen Namen und die Zeit durch. Doch das übliche Hoch, was man auf der Ziellinie hat, blieb aus. Ich wollte nur noch, dass es endlich vorbei ist...

Beim Anhalten dachte ich, es haut mich um. Das dachten die Sanitäter wohl auch, aber ich sagte es würde gehen, nur Wassermangel. Medaille und Finisher-Shirt waren egal, nur ein Gedanke: Trinken, trinken, trinken, und dann Hinlegen! Es dauerte 2 Stunden, bis ich wieder aus dem Ziel-Zelt heraushumpelte und es zu meinen Eltern, Geschwistern und Freunden schaffte, die mich an der Strecke angefeuert hatten und die im Ziel warteten. Erst jetzt setzte sich langsam die Freude über das Ergebnis durch. Und vor allem darüber, dass ich mich selbst besiegt habe – ein fantastisches Gefühl, das ich jedem Sportler nur wünschen kann. Dafür hat sich die ganze Quälerei gelohnt!

Verluste: 2 Zehennägel, rund 10.000 Kalorien, unzählige Liter Schweiß, einige Stückchen Nackenhaut

Meine Zeiten:

Schwimmen - 3,8km - 1:07:09 (Platz 687)
Wechsel 1: 0:02:08
Rad - 180km - 4:46:12 (Platz 53)
Wechsel 2: 0:01:32
Laufen - 42km - 3:20:49 (Platz 104)
Gesamt - 9:17:48 (Platz 68)

Pinkelpausen: keine!





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